Geschichte des Weinanbaues in der Eifel

Wer heute an den Nordhängen der Eifel wandert, erlebt eine der schönsten Landschaften des Rheinlandes. Er ist sich in der Regel nicht bewusst, dass dieser Landstrich im Mittelalter einmal zahlreiche Weinorte mit weitreichenden Weinbergen aufwies und geradezu das Zentrum des Weinbaus war, der seine Ausläufe bis weit hinein in die raue Eifel hatte und nach Norden immer vereinzelter werdend über Mönchen-Gladbach bis nach Xanten reichte. Zahlreiche Flurnamen künden auch heute noch von diesem untergegangenen Wirtschaftszweig, die mit Wingert, Herrenwingert, Kelters, Keltershaus davon abgeleiteten Namen noch heute auf diese Standorte hinweisen. Karl der Große versuchte schon, den Weinbau in der Eifel einzuführen. Unter Kaiser Lothar I. werden in einer Urkunde Weingärten in Güsten (Jülichgau) genannt. Vom 9. bis zum 20. Jahrhundert werden Weinberge an der Rur erwähnt. Vorläufer für den Anbau der Weinreben waren hauptsächlich die Klöster, die es zahlreich in unserer Gegend gab. Sie versorgten dann auch die Pastöre mit dem notwendigen Messwein. Im Jahre 1490 hatte das Kloster Mariawald z. B. Anteile an einem Weingarten in Bürvenich bei Zülpich. 1559 gehörten zu den Einkünften des Pfarrers 5 Ohm Wein aus dem Kelterhaus zu Bürvenich. Für Muldenau ist seit 1334 Weinbau nachgewiesen, für Wollersheim seit 1338, für Nideggen seit 1356 und Embken 1335.

Als 1883 die Verwaltung in Preußen durch ein Gesetz 43 Weinbaugebiete bildete, war auch ein Bezirk Düren dabei. Auch aus dem Brauchtum können wir entnehmen, wo Weinreben angebaut wurden. Als besonderen Schutzheiligen verehrte die Kirche von alters her den Papst Urbanus I., der sich auf der Flucht vor seinen Verfolgern in den Weinbergen versteckt haben soll. Die Winzer riefen ihn um seinen Schutz an, damit er ihre Pfleglinge vor Spätfrösten schütze. Die Urbanusverehrung verschwand mit dem Ende des Weinbaus allmählich. Urbanusprozessionen sind allerdings aus Embken, Ginnik, Golzheim und Merzenich überliefert.

Die Gründe für den Rückgang des Weinbaus sind mannigfaltig. Boden und Klima in unserer Heimat sind für den Anbau von Reben nicht besonders geeignet. Das bedeutet für die Winzer besonderen Aufwand bei der Pflege. Sie konnten daher mit den Gebieten an Rhein, Mosel und Ahr nicht konkurrieren. Spätfröste und Nebellagen verdarben oft die Ernten. Der größte Feind des Weinbaus war jedoch die aufkommende Industrialisierung, die es den Menschen ermöglichte, bessere und einfachere Geldquellen zu erreichen. Außerdem war der hier hergestellte Wein nicht immer von guter Qualität. Der Dürener Ehrenbürger und Weinbergbesitzer, Josef Schregel, lobte den Wein jedoch wegen seiner würzigen Blume und seines edlen Feuers, wobei er von dem Maubacher Rurwein sprach.

Die Blütezeit des Weinanbaus an der Rur begann im 14. Jahrhundert durch die Förderung der Herzöge von Jülich und dauerte bis zur französischen Besatzung. Die letzten Weinernten gab es 1909 in Untermaubach und 1911 in Winden durch das Dürener Weinhaus. Auch im Kloster Mariawald hat es noch lange einen Weinberg gegeben.

Wertvolle Hinweise zum Weinbau zwischen Heimbach und Abenden geben die Heimbacher Burggrafenrechnungen, in denen der Zehntwein notiert wurde. Es handelte sich um weißen, meist aber um roten Wein. Er konnte sich aber nicht mit dem Weinbau in Schwerfen messen, wie ein Vergleich der erzeugten Menge beweist. Während in Heimbach, im Jahre 1513/14 = 3 Fuder, 4 Ohm, 5 Viertel erzeugt wurden, lieferte Schwerfen im gleichen Jahr 10 Fuder, 3 Ohm und 10 Viertel als Zehnt ab. In guten Jahren gab es allerdings auch mehr Ertrag. Auch der Pfarrer von Heimbach bekam einen Zehntwein, den er im Jahre 1559 mit 5 Ohm angibt. Der Herzog von Jülich musste 1616 zwei Pont Pulver zur Bekämpfung der plündernden Vögel in den Weinbergen aufwenden.

Man geht davon aus, dass die ersten Weinberge in Heimbach und Vlatten auf das Heimbacher Grafenhaus im 11. Jahrhundert zurückzuführen sind. Der Trunkwein, den man den Neuvermählten an der Schlosspforte in Heimbach verabreichte, wurde seit 1343 in einem zinnernen Krug von 1 rhein. Maß kredenzt. Der Wein stammte sicherlich aus dem heimischen Anbau. Ebenso wie die bezeugten regelmäßigen Weinspenden an Pastor, Pförtner, Fassbinder und Förster an den vier Feiertagen im Jahr durch den Burgherren.

Im Düsseldorfer Staatsarchiv befinden sich zwei Urkunden, die über den Anbau in der Eifel berichten, sie sind aus dem Jahre 1520 und besagen, dass der Herzog von Jülich auf die herzöglichen Weinberge bei Zülpich, Nideggen und Heimbach besonderen Wert legte, so dass er für diesen Bezirk einen Weingärtner und einen Weinröder einstellte.

In der Stiftungsurkunde des Klosters Siegburg wird berichtet, dass 1064 der Erzbischof von Köln Weinberge in der Eifel besaß, die dem Heimbacher Grafen Bruno und seiner Frau Ermandura gehörten. Bruno und Ermandura hatten dem Erzbischof von Köln die Hälfte ihrer Weinberge in Vlatten und Winden vermacht.

1716 besaß der Kurfürst 6 Morgen in Bürvenich und in Schwerfen 3 Morgen Wingert. – Im Jahre 1500 wurden aus dem Kermeter Wingertpfähle aus 36 Morgen Wald geschnitten und an die Weinberge in Bürvenich und Schwerfen geliefert. 1557 wird die Zahl mit 30.000 Stück und 1623 nur noch mit 3730 Stück angegeben. Der Kurfürst verpachtete die Weinberge auf 12 Jahre gegen die Hälfte des Ertrages an Trauben.

In Heimbach und Hausen, vor allem am Hundsauel, wo die Terrassen noch lange sichtbar waren, hat es noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts Weinberge gegeben.

Literatur:
W. Günther = Zur Geschichte des Weinbaus am Nordabfall der Eifel
Dr. A. Meyer = Flurnamen erzählen vom Weinbau in der Nordeifel
Rosa Schubart = Rotwein von Kalterherberg bis Heinsberg
Aachener Geschichtsverein = Wirtschaftsgeschichtliches aus dem Herzogtum Jülich (1900 Jh.)